Seit mittlerweile über 15 Jahren steht unser Maulbeerbaum im Garten und beschenkt uns jedes Jahr vom Frühjahr bis weit in den September hinein mit unzähligen süßen, schwarzen Früchten. Die kleinen Früchte sehen fast aus wie winzige Trauben und hinterlassen überall ihre Spuren. Schwarze Finger, Pfoten und Hundezungen überführen Maulbeer-Diebe zuverlässig.
Für unser kleines Aussie-Rudel gehört der tägliche Besuch unter dem Baum inzwischen einfach dazu. Mehrmals am Tag pilgern sie geschlossen dorthin und suchen nach den frisch heruntergefallenen Maulbeeren. Unser **Monsterchen** hat dabei sogar ihre ganz eigene Technik entwickelt: Mit vollem Körpereinsatz schüttelt sie den Baum mit ihrem dicken Popo – und schon regnet es wieder frische schwarze Stempelkissen.
Monsterchen ist eine junge Australian Shepherd Hündin und ihren Namen verdankt sie einfach ihrem süßen, dicken Teddykopf, den stämmigen Beinen und ihren dicken Pfoten. Monsterchen gleicht ihrem Vater Mambo nicht nur äußerlich – die beiden sind sich zum Verwechseln ähnlich. Und auch ihr Wesen lässt keinen Zweifel daran, wer ihre Eltern sind. Ihren Papa und ihre Mama kann sie einfach nicht verleugnen.
Jedes Jahr aufs Neue beobachte ich, dass selbst sechs Wochen alte Welpen – ja sogar Junghunde, die zu Besuch gekommen sind – dieses Ritual zelebrieren und mit Hingabe und großem Interesse von den erfahrenen Eltern, Onkeln und Tanten abschauen. Kaum sind die ersten Maulbeeren reif, halten sie ihre kleinen Nasen in die Luft, um zu überprüfen, ob es sich lohnt, schon einmal ein bisschen an den Ästen zu zerren, um dann fasziniert festzustellen, dass es von oben ganz ohne mein Zutun Leckeres regnet. Es ist jedes Jahr aufs Neue schön zu beobachten, wie dieses kleine Familienritual von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Maulbeeren sind übrigens nicht nur lecker, sondern auch kleine Nährstoffpakete. Sie enthalten unter anderem Vitamin C, Vitamin K, verschiedene B-Vitamine sowie Kalium, Eisen und wertvolle Ballaststoffe. Außerdem liefern sie natürliche Antioxidantien, die die Körperzellen vor oxidativem Stress schützen. Es ist einfach schön zu sehen, wie unsere Hunde lernen, sich ein Stück weit selbst zu versorgen. Ob ein paar Pflaumen, Erdbeeren oder Äpfel, die von den Bäumen fallen – hat man erfahrene Hunde im Rudel, ist das oft ein großer Vorteil. Sie zeigen den Kleinen, was genießbar ist und was besser liegen bleibt.
Es ist wie bei kleinen Kindern: Es gibt Junghunde, die gerne annehmen, was ihnen vorgelebt wird. Andere müssen einfach alles selbst ausprobieren – ganz gleich, ob es besonders lecker, eher ekelhaft oder manchmal sogar unvernünftig erscheint.
„Die schönsten Lektionen des Lebens lernt man nicht mit Worten, sondern durch Vorbilder.“
Zur Info: Das Vorschaubild wurde mit KI generiert
© Silke Löffler, Rosebud of Crana